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Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Junge unruhige Frau, die am Laptop sitzt

Mit einer Depression, Angststörung oder weiteren Erkrankungen eine Stelle zu besetzen kann häufig eine große Herausforderung sein. Immerhin nimmt ein Vollzeitjob acht Stunden des Tages ein. Ich selber befinde mich aktuell in der Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell. Gerade jetzt merke ich wieder wie schwierig es ist diese Erkrankung mit der Berufstätigkeit unter einen Hut zu kriegen. Wie kann ich den Anforderungen im Beruf gerecht werden und gleichzeitig langfristig gesund bleiben? Ich möchte euch in folgendem Beitrag nützliche Tipps zur Seite stellen, wie es möglich ist trotz Erkrankung arbeiten zu können.

Struktur und Morgenroutine

Ich selber brauche viel Struktur. Mir hilft es unheimlich morgens pünktlich aufzustehen und gut in den Tag zu starten. Wenn ich schon gestresst aufstehe und nicht mal meinen körperlichen Bedürfnissen nach Hygiene und Essen nachkommen kann, starte der Arbeitstag meist schon schlecht. Daher habe ich es mir zum Ziel gesetzt lieber eine Stunde früher aufzustehen als immer gestresst eine halbe Stunde vor Dienstbeginn.  Meistens führe ich morgens schon mein Dankbarkeitstagebuch, um direkt gut in den Tag zu starten. Zudem mache ich mir mein Lieblingsfrühstück und einen leckeren Kaffee.

Während der Arbeit

In meiner Arbeitszeit versuche ich ungefähr stündlich einmal kurz in mich zu hören. Wie geht es mir gerade? Sitze ich vielleicht verkrampft? Laufe ich wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend und funktioniere nur? Manchmal hilft hier einmal bewusst zu atmen, um sich selber wieder zu spüren. Bewusstes Atmen senkt auch den Stress. Ich habe zusätzlich immer einen Stressball neben mir am Computer liegen. Immer wenn ich merke es kommt eine Angst (in meinem Fall oft vor Fehlern) hoch, drücke ich den Ball fest und beruhige mich so wieder schneller.

Pausen

Zugegeben, mir fallen Pausen auch immer sehr schwer. Mal eben das und das noch beenden. Dauert ja nur noch ne eine halbe Stunde.  Mir hilft es mir feste Pausenzeiten zu setzen. In dieser Pausenzeit esse ich mein Lieblingsessen und trinke viel. Manchmal nehme ich mir auch ein Buch oder mache einen kurzen Spaziergang. Einfach einmal kurz raus aus dem Gedankenkarussell. Zurück zum hier und jetzt.

Grenzen setzen

Grenzen? Kennen die meisten Leute nicht. Vor allem nicht, wenn es um Arbeit geht. Die meisten Leute arbeiten und arbeiten bis sie irgendwann selber in eine Erkrankung rutschen. Es ist unheimlich wichtig zu kommunizieren, wenn es manchmal einfach nicht möglich ist noch weitere Aufgaben zu übernehmen. Sei achtsam mit dir selbst. Es bringt dir nichts, wenn du mehr Aufgaben übernimmst und deinen Chef glücklich machst als auf dich zu achten. Du bist wichtig und deine Gesundheit. Bedenke auch immer, dass du erkrankt bist und du an erster Stelle stehen solltest. Manchmal hilft auch der Blick auf den Grund, warum man keine Grenzen setzen kann. Verspricht man sich davon etwas oder stecken dahinter alte Glaubenssätze? Schau genau hin.

Perfektionismus

Ich selber kann leider ein furchtbar langes Lied über dieses Thema singen. Ich gebe meistens nicht nur 100 Prozent. Lieber 120 damit ich bloß keine Fehler machen kann. Allerdings fordere ich dadurch unheimlich viel von mir. Dadurch bin ich permanent in einer Selbstkorrektur mit mir. Was kann ich noch besser machen oder wo kann ich Fehler vermeiden? Ich vergesse oft, dass Fehler menschlich sind und nicht immer alles perfekt sein kann. Schraub' deine Erwartungen an dich runter. Man selbst ist immer der härteste Kritiker. Diese Kritik an mir endet schnell in Erschöpfung und Erschöpfung führt zu Ausfall auf der Arbeit und das Rutschen in eine erneute depressive Phase.

Gespräche mit Kolleg:innen

Ich selber kann total verstehen, dass es viele Betroffene gibt, die nicht offen über ihre Erkrankung erzählen möchten. Es gibt Arbeitsumfelder wo dieses ziemlich schwierig sein kann. Aus meiner Perspektive hat es mir total geholfen offen und ehrlich mit meinen Kolleg:innen über das Thema zu sprechen. Ich bekomme dadurch sehr viel Unterstützung und Zuspruch. Hätte ich nun acht Monate nicht verraten, wo ich war und was ich hatte, hätte dieses zu viel mehr Getratsche geführt als die Wahrheit zu sagen. Ich weiß, jeder hat einen Helmut oder eine Inge in der Firma, die psychische Erkrankungen für Quatsch halten. Versuche über diesen Personen zu stehen und die Leute zu sehen, die dich auf der Arbeit unterstützen können.

Richtiges Arbeitsumfeld

Gerade wenn es viele Inges und Helmuts in deinem Umfeld gibt, solltest du dir langfristig überlegen, ob dieser Arbeitsplatz toxisch ist und für deine mentale Gesundheit förderlich ist.  Sei ehrlich zu dir selbst und pass auf dich auf. Ich würde immer meine Gesundheit über die vermeintlich berufliche Sicherheit stellen. Zusätzlich ist es sehr wichtig, dass dir dein Job auch Spaß macht. Was bringt es dir, wenn du alles für dich tust, aber morgens schon würgen musst, wenn du nur an die Arbeit denkst. Sei mutig und hör auch mal in dich rein. Passt der Job wirklich zu mir? Es ist nie zu spät für eine große Veränderung! 


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Kommentare

Ricarda
Vor 7 Monate

Ich erkenne mich hier sehr gut wieder. Auch ich habe den Kampf um Perfektion und absoluter Fehlerfreiheit gekämpft. Bis es irgendwann nicht mehr ging. Dies zu verändern, ist sicherlich nicht immer so einfach. Aber es lohnt sich auf jeden Fall. Der Beitrag enthält viele sehr nützliche Tipps, wie man Arbeit und Krankheit zusammenbringen kann. 👍