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Mein Leben mit Depressionen und Kind

Es ist und bleibt meine härteste Challenge. Ja, ich habe mir sie selbst ausgesucht und bereue sie keine Minute. Ich möchte meinem Kind die volle Liebe und Aufmerksamkeit schenken, die ich ihm geben kann. Ist es einfach, eine Mutter zu sein? Vor allem mit dem Hintergrund einer psychischen Erkrankung? Nein, ist es nicht. Jeder Tag kann eine riesen Herausforderung und Kampf sein.  Ein sehr, sehr schmaler Grat für mich. Jeden Tag, jede Stunde.

Doch die Fürsorge für mein Kind ist der Antrieb für mich selbst, ist mir die Motivation für meine eigene Entwicklung. Das Muttersein lässt mich wieder bedingungslose Liebe, Vertrauen und Nähe spüren.

Ständige Müdigkeit

Aber wie ist es, wenn man leer ist? Ständige Müdigkeit und erschöpft sein. Mein Kind möchte Input und Animation. Lange habe ich versucht, meine Ressourcen für meinen Sohn auszuschöpfen. Dass dann für mich selbst nichts mehr da war, ist klar. Doch wie schafft man es, beides unter einen Hut zu bekommen? Ich habe mich komplett verloren. War nur noch eine funktionierende Mutterhülle. Zum Glück habe ich einen Mann und Großeltern, die das ein oder andere abfedern können.

“Bauen Sie sich eine Struktur auf. Schreiben Sie sich einen Wochenplan. Gönnen Sie sich Auszeiten für sich.” - alles schon mehrfach gemacht und wieder verworfen. Diese Woche war geplant. Kleine To-do-Liste geschrieben. Und jetzt? Kind ist krank, Babysitter muss gefunden werden, da ich heute einen Termin beim Therapeuten habe. Mal wieder mit den Gedanken zwischen "ihr könnt mich alle" und "alles egal". Wie machen das andere? Warum zum hundertsten Mal ‘ne Woche planen, wenn’s doch wieder nichts wird? Ich sehne die Langeweile und Ruhe zurück.

Mit meinem Kind über die Erkrankung sprechen

Ich habe recht früh mit meinem Sohn gesprochen. Teilt ihnen mit, dass es sich um eine Krankheit handelt, und sie keine Schuld daran haben. Wiederholt das oft. Ich habe ihm gesagt, dass ich eine Krankheit habe, bei der ich schnell müde werde und mich dann hinlege. Das geht auch, wenn Sohnemann TV schaut und ich auf der Couch liege - ein gutes Arrangement, wie ich finde.

Während der Schulzeit nutze ich MEINE Zeit. Sport macht meinen Kopf frei und Meditation bringt mich zur inneren Ruhe, lässt mich in stressigen Zeiten ruhig bleiben. Mein Sohn weiß auch, dass ich es nicht böse meine, wenn ich mal weniger Geduld habe. Er ist ein fröhliches Kind, das schon morgens tanzt und singt und mich oft küssen und umarmen will. Dann ruft er immer “Knuddelalarm!”. Das tut sooo gut, auch wenn ich Nähe sonst nur schwer zulassen kann.

In Familien kommt es immer wieder zu schwierigen Themen und Emotionen. Genau deshalb finde ich diese Transparenz zur Aufklärung aber so wichtig. Dies kann ein kleiner Weg zur Genesung bzw. Verbesserung sein. Offen darüber sprechen und nichts verheimlichen. "Mama, warum bist Du so laut?" Ja, diese Fragen tun weh, wenn mal wieder nichts geht und die Überforderung das Kind abbekommt. In diesem Fall spreche ich sofort mit ihm. Dass die Situation gerade zu viel war, und es nicht an ihm lag.

Ich kann Euch ein Buch empfehlen, in dem die Depression toll erklärt ist. Es heißt "Als Mama nur noch traurig war". Mein Sohn fand das Buch toll und kann sich nun besser reindenken.


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Kommentare

Ricarda
Vor 6 Monate

Ein wirklich berührender und auch irgendwie informativer Beitrag. Ich bin selbst psychisch erkrankt und habe früher immer gedacht, dass ein Kind da nicht reinpasst. In der letzten Zeit hat sich diese Meinung etwas verändert und dein Beitrag gibt einem Kraft und Motivation, auch dieses doch schöne Kapitel im Leben vielleicht doch anzugehen. Danke dir.